KYUDO IN DETMOLD >>---弓道---> 20 Jahre japanisches Bogenschießen im Polizei-SV-Lippe
弓道 Übersicht - aktualisiert: 02.12.2018  
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NEU: Pfeile-Auswahl

Warum schlagen meine Aluminium-Pfeile seitlich versetzt von den Bambuspfeilen ein?

Vermutlich hat sich schon manch einer der Kyudoschützen diese Frage gestellt, denn er hat sein Zielbild ändern müssen, um bei verschiedenartigen Pfeilen das Mato gleichmäßig zu treffen. Die Gründe sind – wenn man davon ausgeht, dass die Technik beherrscht und bei allen Pfeilarten gleich durchgeführt – vielseitig.

Dickere Pfeile schlagen weiter rechts ein – dünnere sitzen weiter links.

Das hat seine Ursache darin, dass sich die Pfeile im ersten Augenblick des Abschusses seitlich durchbiegen. Von oben gesehen liegt der Pfeil in der Form eines leichten C an der Wange an, wenn das Hineri durchgeführt und der Druck mit dem Handschuh den Pfeil gegen den Bogen drückt, damit er nicht herabfallen kann. Beim Lösen rutscht die Sehne leicht über den Handschuhdaumen und „staucht“ den Pfeil leicht, da die Massenträgheit des Pfeils die Energie, die durch die Sehne auf den Nock wirkt, zunächst in eine leichte Verformung umsetzt. Die Drehung des Bogens durch die Bogenhand führt dazu, dass einen Bruchteil nach dem Lösen der Sehne der Pfeil zunächst noch am Bogen anliegt, sich aber durch seinen Eigenreflex – jetzt biegt er sich aus der C-Form in die entgegengesetzte Form – vom Bogen abstößt. Jeder, der seine Bogenhand noch nicht schnell genug einsetzt, stellt fest, dass dieser Abstoß zu einer erheblichen seitlichen Abweichung nach rechts führt.

Wenn man also davon ausgeht, dass der vordere Teil des Pfeiles kurz nach dem Lösen der Sehne aus der Daumen­grube seine seitliche Biegung durch ein „Abstoßen“ vom Bogen ausgleicht, fällt diese Ausgleichsbewegung je nach Pfeilstärke unterschiedlich aus.

Der westliche Bogenschütze kann dies durch eine variable, seitlich durch eine Feder in der Härte verstellbare techni­sche Einrichtung am Bogen (Button) auffangen und so je nach Pfeilart, die er verwendet, anpassen, ohne seinen Schießstil zu ändern.

Der Kyudoka muss bei verschiedenen Pfeilen entweder den Zielpunkt verlegen oder mit der linken Hand bei steife­ren Pfeilen schneller arbeiten.

Exkurs

Bei dickeren Pfeilen spricht man davon, dass sie „steifer“ sind, sich also nicht so durchbiegen wie die dünneren, weicheren Pfeile. Die bei Aluminiumpfeilen anzutreffenden Bezeichnungen 2015 oder 1913 erklären dies. Die ersten beiden Ziffern beschreiben den äußeren Pfeildurchmesser in Bezug auf das englische Zoll-Maß. 20 bedeutet dabei 20/64 Zoll. Die beiden letzten Zahlen beschreiben die Wanddicke des Aluminiumpfeils. 15 bedeutet dabei 15/100 Millimeter Wandstärke. Also hat der 1913 einen geringeren Außendurchmesser und eine geringere Wandstärke als der 2015. Der Wettkampfschütze spricht hier vom Spine-Wert. Dieser wird gemessen, indem man einen Pfeil an zwei Stellen auf ein Messgerät auflegt, mittig ein bestimmtes Gewicht an den Pfeil hängt und die Durchbiegung fest­stellt. Ein dünnerer (= weicherer) Pfeil biegt sich bei diesem Test mehr durch. Das geschieht auch, wenn er abge­schossen wird.

Während des Fluges schwingt der Pfeil um zwei scheinbar feste Punkte. Der eine Punkt befindet sich leicht hinter der Spitze, der zweite etwa vor der Befiederung. (Der vordere Punkt lässt sich leicht feststellen, wenn man den Pfeil etwa 8–10 Zentimeter hinter der Spitze leicht mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand festhält und in der Mit­te mit dem Zeigefinger der rechten Hand „anschnippt“. Der Pfeil beginnt mit einem leichten Ton zu schwingen.) Gleichzeitig dreht sich der Pfeil wegen der Befiederung um seine Längsachse, um seine Bewegungsrichtung allge­mein zu stabilisieren.

Der Umfang dieser Schwingungen (man kann das gleiche Bild bei Zeitlupenaufnahmen eines fliegenden Speeres sehr gut erkennen) ist also abhängig vom Außendurchmesser, der Wandstärke, dem Spitzengewicht und dem Ge­samtgewicht/der Schwerpunktlage des Pfeils.

Man versucht, diese Schwingungen möglichst gering zu halten, denn auf kurze Entfernung ergibt sich bei einem weichen Pfeil eine seitliche, trichterförmige Abweichung von etwa 2 Zentimetern, die bei den Recurveschützen schon dazu führen kann, dass man bei einem Schuss „bauartbedingt“ einen Ring beim Wettkampf auf 18 Meter Ent­fernung verlieren kann. Daher tendieren die meisten professionellen Bogenschützen dazu, den Pfeil eine Tendenz steifer zu wählen. Dann ist der Pfeil „schneller weg“, kleine Fehler beim Abschuss rächen sich damit nicht so sehr.

Bei Kyudo wäre das problematisch, denn die Arbeit der linken Hand müsste dann besonders gut sein, um mit leicht steiferen Pfeilen zu schießen. Weichere Pfeile müssten dann unter Umständen zu einer besseren Trefferlage führen. Allerdings müsste man dann auch leicht anders zielen…

Interessant:

Der Pfeil biegt sich übrigens auch nach unten durch, da der Nockpunkt leicht überhöht ist und die leichte Kippung des Kyudobogens nach rechts im Heki-Stil ein Ausweichen nach oben verhindern soll.

Peter Kollotzek, Am Klüter Bach 11, 32758 Detmold, 05231-64208

弓道 WAS IST KYÛDÔ?  
  „Kyû-dô“ bedeutet „Bogen-Weg“ und bezeichnet die traditionelle, sehr ritualisierte Art des japanischen Bogenschießens mit dem langen Bambusbogen. –
Als Einführung zu empfehlen -> de.wikipedia.org/wiki/Kyūdō
Unsere Internetpräsenz ist einfach, aber aktuell - siehe links oben...
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